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Nach dem Leak des Drehbuches zu The Hateful Eight Anfang 2014, wollte sich erst einmal niemand an eine Verfilmung des Westerns wagen. Als Tarantino jedoch nach einer Lesung des Skriptes mit unerwartet viel positivem Feedback und nicht enden wollenden Standing-Ovations überschüttet wurde, raffte er sich doch auf und widmete sich der Verfilmung seines achten (ein Fuchs, wer hier Parallelen erkennt) Filmes. Das Drehbuch wurde dafür noch ein wenig angepasst und seit dem 25. Dezember läuft der Film in den amerikanischen Lichtspielhäusern. In Deutschland startet er am 28. Januar 2016. Und wie bei wahrscheinlich jeder Veröffentlichung des „enfant terrible“, eilen immense Erwartungen von Seiten der eingefleischten Fans und auch der Opposition dem Film voraus. Nachdem „Inglorious Bastards” und „Django Unchained” mehr Kritik einstecken mussten als seine früheren Werke, scheint „The Hateful Eight” wieder klar Tarantinos Trümpfe auszuspielen: Western, Dialoge und unbarmherzige, ja wirklich unbarmherzige Brutalität.

John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell) hat einen großen Fang gemacht: Die Serienmörderin Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) bringt dem Kopfgeldjäger zehntausend Dollar ein, wenn er sie nach Red Rock bringt. Tot oder lebendig. Doch John macht seinem Zweitnamen alle Ehre und transportiert die störrische Kriminelle in einer Kutsche durch die zugeschneite und stürmische Einöde zur Hinrichtung am Galgen. Auf diesem Weg trifft er erst auf seinen alten „Kollegen” Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), welcher sein Kopfgeld ohne Lebendtransport bevorzugt, und den zukünftigen Sheriff von Red Rock, Chris Mannix (Walton Goggins). Der andauernde Schneesturm zwingt die Kutsche zu einer Rast bei „Minnies Miederwarenladen” wo die Gruppe auf den Mexikaner Bon (Demian Bichir), den Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und Oswaldo Mobray (Tim Roth) trifft. Schon kurze Zeit später kippt die Stimmung des gemütlichen Beisammenseins und es wird schnell klar, dass nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird.

Echte Tarantino-Freunde und nostalgische Liebhaber älterer Filmformate sollten versuchen, ein Ticket für die „Roadshow-Version” des Filmes zu erwerben, welche von 70-Millimeter-Film abgespielt wird und damit vor allem die weiten Panoramen des Filmes hervorhebt. Diese Version ist gleich um ganze 20 Spielminuten länger als die reguläre Fassung, welche die meisten Besucher zu sehen bekommen dürften (da nur noch wenige Kinos über diese Technik verfügen) und schlägt mit einer Länge von 187 Minuten zu Buche. Aber wie zu erwarten, zeigt sich die Detailverliebtheit des Produzenten nicht nur in exzentrischen Filmformaten, sondern ebenfalls in der Passion zur Geschichte, ihren Charakteren und dem Setting. Wir befinden uns im frostigen Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, und mittendrin in einem Konflikt zwischen weißen Amerikanern und der schwarzen Minderheit. Jackson brilliert an dieser Stelle als schwarzer Kopfgeldjäger gleich mit mehreren facettenreichen Motiven und es scheint, als habe der alte Film-Kollege Tarantino ihm diese Rolle (mal wieder) auf den Leib geschneidert. In Wort- und Spielgewalt eskaliert sein Charakter immer weiter, ohne jedoch die anderen Darsteller an die Wand zu spielen. Tatsächlich ist nämlich jede Rolle des Western-Krimi-Kammerspiels grandios besetzt. Hervorzuheben sei ebenfalls Jennifer Jason Leigh, welche mit einem ausgeprägten Mut zur Hässlichkeit und viel Charakterstärke die Gefangene Domergue aus der scheinbaren Nebenrolle immer wieder hervorspielt.

Und für diese Charakterentfaltung nimmt sich der Film auch gebührend Zeit, was auf der einen Seite raffinierte und starke Dialoge bedeutet, aber hier und da auch Längen mit sich bringt, die kurzfristig etwas ermüden. Kenner des Regisseurs werden empört sein, dass diese Pausen nicht als das gewürdigt werden, was sie sicherlich sein sollen: Kunst. Sicherlich hätte aber etwas mehr Tempo bis hin zur Mitte des Filmes dem Spannungsbogen gut getan. Spätestens überschlagen sich dann aber die Ereignisse und immer wieder wollen sich die Nägel in den Kinosessel krampfen, wenn Gewaltdarstellungen nicht nur blutig, sondern zudem extrem explizit und in ihren Motiven unverfroren gezeigt werden. Tarantino ist eben kein Freund von Kompromissen, dafür vielen Dank! Experten werden sich an vielen Ecken und Enden über Hommagen an ältere Tarantino-Filme erfreuen und ins Schwärmen über die starken Bildern geraten, trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, könnte man versucht sein zu sagen, dass Tarantino hier wieder alle bekannten Register zieht, aber ein klein wenig die Innovation vermissen lässt, für die er oft zurecht gelobt wird.

Natürlich wird auch The Hateful Eight polarisieren und nicht nur Freunde finden, was den Produzenten-Punk natürlich freuen wird. Ganz objektiv ist der neue Film aber wieder eine klare Steigerung nach kleinen filmischen Talfahrt der letzten Jahre.

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